Sterile Pilzzucht

Auch wenn manch einer behauptet, es ginge auch ohne Sterilität, indem z.B. Austernseitlinge zerschnitten in feuchtes Stroh geimpft werden oder Champignonmyzel in Pferdedung gemischt wird, wirkliche Erfolge hat man eigentlich nur, wenn das Mycel einer Pilzart steril vermehrt wird und dann in die jeweiligen Endsubstrate gemischt wird.
Mit der sterilen Mycel Zucht befasst sich ein sehr gutes Buch, zwar teilweise überholungsbedürftig, aber dennoch Empfehlenswert: Bert Marco Schuldes und Sam Lanceatas (Pseudonym eines bekannten Mykologen) - "Pilzzuchtbuch".



Für den englischsprechenden Fortgeschrittenen gibt es den "Mushroom Cultivator" und "Growing Gourmet and Medicinal Mushrooms", beide von Paul Stamets. (und nur in Amerika erschienen) Auch im Zauberpilz Buch und anderen Büchern zum Thema Zauberpilze sind einfache Zuchtanleitungen beschrieben. Die aber oft nichts taugen, ähnlich wie diverse MagicMushroom GrowTeks aus dem Internet. Schliesslich geht es uns um die Zucht von Pilzen und nicht um die schnelle, ideotensichere Aufzucht irgendwie fruchtender Cubensis. Denn mit PF Tek kann man leider keine gute Brut zur weiteren Pilzzucht herstellen.

Das erwähnte Pilzzuchtbuch beschreibt genauestens wie wichtig das sorgfältige, sterile Arbeiten im Umgang mit den Petrischalenkulturen und auch Roggenbrut ist. Leider lassen die vielen Keime in der Luft hier keine Fehler zu, wer schlecht sterilisiert oder desinfiziert, verliert immer wieder einige oder viele Kulturen an diverse Schimmel oder Bakterien. Es ist wirklich unumgänglich sich eine Impfbox zu bauen, schon eine einfacher Karton bringt eine Verbesserung und erste Erfolge. Eine professionelle Lösung muss auch nicht teuer sein, ich benutze beispielsweise eine Styroporkiste, die Plexiglas- Fenster hat. Die Kiste war umsonst vom Zoohandel und der Rest ist für wenig Geld aus dem Baumarkt.


Des weiteren unentbehrlich ist ein Dampfdruckkochtopf. Ohne den ist es nicht möglich 100%ig zuverlässig zu Sterilisieren. Mikrowelle oder normale Töpfe bringen allerhöchstens Glückstreffer und es wäre dumm sorgfältiges Arbeiten von vorneherein durch unsterile Nährmedien zu vereiteln.
Ansonsten beschränkt sich Schuldes auch nur auf die wesentlichen Dinge- Impfwerkzeug, Spiritus/Gasbrenner, Gläser und Nährmedien, alles ist soweit günstig und einfach zu besorgen. Ich habe übrigens nicht so gute Erfahrungen mit Sittichfutter als Brutgetreide gemacht, da es sehr oft platzt und matschig wird. Das zieht Bakterien magisch an. Auch seine Wasserangaben sind meist zu wenig, da muss vermutlich jeder seine eigene Formel finden, je nach Getreideart und Feuchtigkeitsgrad des selbigen. Hellen Malzextrakt hab ich übrigens bisher noch nie verwendet, allerdings kann man den neuerdings im Internet bestellen. Der Braune aus dem Reformhaus ("um die Ecke") funktioniert aber auch. Von Kartoffel Dextrose Agar und vor allem Honig Agar rate ich allerdings wegen des zu hohen Zuckeranteils ab, der begünstigt Alterung und sorgt für langsameres, weniger kräftiges Wachstum. Als Zweitagar eignet sich der Hundebiscuit Agar am besten, wenn er gefiltert wird, wird er sogar recht klar.

Was ich besonders bei Panaeolen, diversen dungliebenden Psilocyben und vor allem dem Champignon empfehle ist ein Dungzusatz im Agar.


Auch Holzspäne Zusatz bei Holzzersetzern ist empfehlenswert. Nur ganz wenig Material auf den Boden der Schale verteilen, darauf den fertigen Agar geben und gut vermischen. Nicht zuviel und am besten vorher anfeuchten. (sonst wird der Agar härter als erwartet)
Gläser: Da rate ich dringend von den Weck/Einmachgläsern ab. Die haben nämlich keinen Metalldeckel, sind also nicht 100%ig dicht beim Schütteln. Auch größere Volumen als maximal 700ml (720ml Konserven Gläser) sind nicht sinnvoll, der Kontamination wegen. Und so viel Brut ist ohnehin unnötig, da schon kleine Mengen vor allem bei Holzpilzen ausreichen, um eine gute Menge Substrat zu beimpfen (Verhältnis 5:1). Die besten Gläser sind entweder langhalsige Konservengläser (Kirschen, Apfelmus, Erbsen&Möhrchen...) oder Breite (Gurken, Rotkohl, Majonaise...). Jeweils mit 720ml Inhalt. Die Form ist egal, beim Aufschütteln der Brut in einzelne Körner rutscht diese prima auch durch die schmale Öffnung der Langhalsigen Gläser raus. Somit erspart man sich auch die Verschwendung einer Tüte zum Zerkleinern der Brut. Diese Gläser werden übrigens von oben (also auf dem Deckel) mit Alufolie versehen, nicht zwischen Deckel und Glas!
Bei Petrischalen empfehle ich kleine Schalen mit 6-8cm Durchmesser, am besten natürlich aus Glas, damit sie wiederverwendbar sind. Diese Schalengröße reicht für die Hobbyzucht völlig aus. Eine gute Idee ist die Frischhaltefolie in einem kleinen Streifen um die Schale gewickelt, wirklich ein guter Schutz gegen Kontaminationen.
Lagern sollte man die Brut in einer sauberen Styrobox, die erstmals nach 4 Tagen und dann alle 2 Tage gelüftet wird. Eine gute Idee ist es nach Inokulation (Impfen) die Gläser gut und feste (verschlossen!) durchzuschütteln, dann (offen!) in die Kiste zu stellen und kräftig von oben mit einer starken (1-3%ig) H2O2 Lösung (gibt?s günstig im Frisörbedarfshandel) einzusprühen. Dadurch werden Schimmelsporen weites gehend gekillt und die Feuchte bleibt erhalten. Dieses Sprühen bei jedem Öffnen wiederholen. (Vorsicht- Handschuhe tragen, das Zeug ätzt) Ich sprühe ausserdem meine Petrischalenkisten (Klarsichtige, tiefe Plastikboxen) nach Einbringen der Schalen und jedes Mal, wenn ich reingegriffen habe. ( Natürlich etwas weniger sprühen als in die Brutkisten)
Meine Mycelzucht ist zu 95% sauber, ich habe sehr selten mal Kontaminationen durch matschiges Getreide oder unsaubere Sporenabdrücke anderer Leute.



Texte und Bilder Oliver Tuncay